Nacer - Diario de maternidad

Jorge Caballero
Kolumbien, 83 min

Nach dem ersten flüchtigen Kuss muss das Neugeborene zu diversen Routinetests. Die Mutter liegt erschöpft auf dem Geburtstisch, ihr Kind bleibt für sie noch unerreichbar. Die Spannung zwischen medizinischer Sicherheit und dem emotionalen Bedürfnis ist spürbar. Jorge Caballero hat mehrere Monate in öffentlichen Spitälern von Bogota gefilmt und daraus sechs Geburtsporträts gestaltet. Selbst eben Vater geworden, wählt er in Nacer – Diario de maternidad eine beobachtende Position, steht aber konsequent an der Seite der werdenden Mütter. Sie leben unter prekären Umständen und nur eine der Frauen wird von ihrem Mann begleitet.

In Bagatela (2008) waren es Anwälte für Kleinkriminelle, nun sind es Ärzte, an deren Schreibtisch sich die Frauen im uniformen Nachthemd zur Abwicklung ihres Falles setzen. Die Geburten sind respektvoll gefilmt und zeigen die soziale Realität auf. Der Umgangston der Angestellten spiegelt die gesellschaftlichen Hierarchien innerhalb der Institution, in der die Gesellschaft geboren wird. Aber es ist auch Menschlichkeit anzutreffen, welche die rührenden Momente in diesem sensiblen Film ermöglicht.

Jenny Billeter

Durée
83 min
Année
2011
Pays
Kolumbien
Sektion
Internationaler Wettbewerb – Langfilme
Sprache
Spanisch
Untertitel
Englisch
Produktion
Rosa Ramos

Internationaler Wettbewerb – Langfilme

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