Viena

Audrius Stonys
Litauen, 16 min

Die Kraft von Alone (2001 bei Visions du Réel prämiert) ist umgekehrt proportional zur Schlichtheit seines Modus Operandi: Ein vor allem in der Einführungssequenz mehrmals im Bild erscheinendes Filmteam begleitet in drei Abschnitten ein Kind, das seine Mutter im Gefängnis besucht: Hinfahrt, Begegnung und Rückfahrt. Dreharbeiten, die insofern ohne «Manipulation» verlaufen, als der Regisseur die Dinge gefilmt hat, wie sie an diesem blassen Morgen eingetreten sind, und auch die Zwischenfälle nicht herausgeschnitten hat: eine Autopanne, die Platzwechsel des Kindes und des Kameramanns, um ein besseres Bild zu erhalten. Eben diesen Aspekt der Ethik hinterfragt Stonys in einer reflexiven Form, die darauf bedacht ist, ein Kind in einer spezifischen Situation darzustellen, die es dazu bewegt, die Bedingungen dieser Darstellung in ihrer Vollständigkeit zu enthüllen: Wie weit darf man sich in die Hilflosigkeit eines Lebewesens einmischen? Darauf antwortet der Filmemacher in der letzten Szene mit der Vorladung des Unsichtbaren, um wie ein Wundertäter die unendliche Einsamkeit zu heilen, die er mit uns geteilt hat.

Emmanuel Chicon
Durée
16 min
Année
2001
Pays
Litauen
Sektion
Atelier Audrius Stonys
Sprache
Litauisch
Untertitel
Englisch, Französisch
Produktion
Audrius StonysArūnas Matelis

Atelier Audrius Stonys

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