Ilha da Flores

Jorge Furtado
Brasilien, 12 min

Der Inhalt von llha da Flores lässt sich in einer Zeile zusammenfassen: «Leben und Sterben einer Tomate, vom Acker bis zur Müllhalde…». Besagte Tomate erlebt eine wahre Odyssee: Von den Händen des Bauern, der sie erntet, wandert sie in die der Verkäuferin, die sie wiegt, hin zur Hausfrau, die sie ihrer Familie auftischt und dann wegwirft. Die Kommentare sind wissenschaftliches Erklärungsmodell und Fernseh-Information zugleich und überschlagen sich regelrecht. Unter dem Einfluss dieses doppelten Transparenz-Effekts, der Matrix aller Macht, kommen Zweifel auf: Vielleicht will der geschwätzige Kommentar nur ablenken und verschweigen (Agnès Varda)? Doch was? Das Antlitz der Armut! Die Armen der Favelas, die am Ende des Films den Bildschirm bevölkern, sind unvergesslich, weil uns der Film zu Komplizen der Sprache der Mächtigen macht, die vorgeben, alles erklären zu können, nur das nicht, was sich ihrer kommerziellen Vernunft entzieht. Die Armen sind ärmer als Schweine – aber frei. Wie es am Ende des Kommentars heisst, «kann niemand die Freiheit erklären, aber alle können sie verstehen.» Wie man sieht.

Laurent Roth

Übersetzung BMP Translations

Durée
12 min
Année
1989
Pays
Brasilien
Sektion
Port Franc
Sprache
Portugiesisch
Produktion
Casa de Cinema de Porto Alegre