Marco Bellocchio
Italien | 2022 | 105 min
Sprache : Italienisch
Untertiteln : Französisch, Englisch

In Elena filmte Marco Bellocchio 1997 mithilfe eines einfallsreichen, reflexiven Konzepts erstmals seine damals noch sehr junge Tochter, die im Alter von kaum zwei Jahren durch eine Videokamera die ersten Tage ihres Lebens entdeckt. Elena hatte sich in der filmischen Fiktion bereits herauskristallisiert. Sorelle Mai, ein erfrischender und aufmerksamer Film, ist die Fortsetzung dieses Impulses. Er fängt die lange und doch zu kurze Zeit der Kindheit durch das Prisma eines über zehn Jahre verteilten Drehs in Bobbio ein, der das Aufwachsen der charismatischen Elena aus der Perspektive ihres filmemachenden Vaters zeigt. Alle sechs Segmente oder Momentaufnahmen einer Kindheit in Bewegung, aus denen sich sein Material zusammensetzt, sind Möglichkeiten, von der Wehrlosigkeit der Erwachsenen zu erzählen, die zur Ruhe gezwungen werden, als würdenn sie sich der Kamera darbieten. Es ist die sanfteste aller Erzählungen, die sich um diese Figuren rankt, die alle zum näheren Umfeld des Filmemachers zählen – ein Beweis dafür, dass Wohlwollen weniger ein zu erobernder Stoff als vielmehr eine Methode ist. Sorelle Mai ist schwebend und ungreifbar, so wie das Leben.

Pierre Guidez

 
Schnitt
Francesca Calvelli
Produktion
Irma Misantoni

Ehrengast Marco Bellocchio

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