Marx can wait

Marco Bellocchio
Italien | 2021 | 95 min
Schweizer Premiere
Sprache : Italienisch
Untertiteln : Französisch, Englisch

Marx può aspettare ist ein Ausdruck von Camillo Bellocchio, den sein Zwillingsbruder Marco, der von der Radikalität seines maoistischen Kampfes begeisterte Filmemacher, nicht als Vorbote seiner Verzweiflung zu deuten vermochte. Camillos Selbstmord ist der Tiefpunkt eines ansonsten sehr freudvollen, weil von revolutionären Episoden durchzogenen Jahres 1968, die Ur-Wunde eines Autors, der den geschwisterlichen Konflikt bereits zum Mittelpunkt seiner ersten Filme gemacht hatte (das Thema Zwillinge kommt bereits in I Pugni in tasca und La Cina è vicina vor). Mithilfe zeitgenössischer Aufnahmen und historischer Archive nahm der Filmemacher gar das Treffen einiger achtzigjähriger Familienmitglieder zum Anlass, um die Bellocchio-Dynastie mit ihrer Schuld zu konfrontieren. Der Film ist mit Zitaten aus seinen früheren Werken durchsetzt, was den Blick auf ein Werk nährt, das nie mit der Realität gebrochen hat, und gleichzeitig die für sein Kino charakteristischen Themen untermauert: das Misstrauen gegenüber der Familie und ihrem Vampirismus sowie die Demontage aller Mechanismen der Unterwerfung. Nie zuvor hatte Bellocchio das Private so frontal an den Pranger gestellt.

Pierre Guidez

Schnitt
Francesca Calvelli
Produktion
Michel MerktSimone GattoniKavac Film s.r.lBeppe CaschettoAlessio Lazzareschi

Ehrengast Marco Bellocchio

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