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Kirsten Johnson, erster Gast von Visions du Réel 2022

Visions du Réel freut sich sehr, die renommierte amerikanische Filmemacherin Kirsten Johnson als ersten Gast der 53. Ausgabe anzukündigen. Das Festival findet vom 7. bis 17. April 2022 statt. Kirsten Johnson, die für ihre Regie- und Kameraarbeiten mehrfach ausgezeichnet wurde und deren Filmographie rund 60 Filme umfasst, wird in Nyon eine Retrospektive ihrer eigenen Werke sowie eine Auswahl von Filmen, bei denen sie mitgearbeitet hat, vorstellen. In ihren Regiearbeiten – insbesondere mit Dick Johnson is Dead (2020), der beim Sundance Film Festival ausgezeichnet wurde – ebenso wie in ihren Kollaborationen – namentlich Citizenfour (2014) von Laura Poitras, Oscar in der Kategorie Dokumentarfilm – wird Kirsten Johnson nie müde, die ethischen Herausforderungen der dokumentarischen Aufnahme zu hinterfragen und sich die Präsenz einer Person hinter der Kamera bewusst zu machen.

Kirsten Johnson wurde im US-Bundesstaat Washington geboren. Sie studierte Literaturwissenschaften an der Brown University und machte einen Abschluss an der Fémis. Nach zwei Kurzfilmen (zum Thema Beschneidung – Bintou in Paris (1995) und amerikanische Überwachung in Afghanistan – The Above (2015)) und zwei Spielfilmen, die sich mit dem amerikanischen Justizsystem beschäftigen (Deadline (2004) und Innocent Until Proven Guilty (1999)), erlangte sie internationale Anerkennung mit Cameraperson (2016), der beim Sundance Film Festival Premiere feierte, in die engere Auswahl für den Oscar kam und drei Cinema Eye Honors gewann. Zusammengestellt aus Aufnahmen, die Johnson über mehrere Jahrzehnte hinweg als Kamerafrau für verschiedene RegisseurInnen gedreht hat, verwebt der Film Dokumentarisches und Autobiografisches miteinander, hinterfragt die Beziehung zwischen Filmenden und Gefilmten sowie die Spannung zwischen Realität und narrativem Konstrukt. Diese Spuren ziehen sich durch ihr gesamtes Werk. In ihrem letzten Film, Dick Johnson is Dead (2020), der von Netflix produziert wurde, experimentiert sie erneut mit dem filmischen Dispositiv, diesmal auf eine eher verfremdete und humorvolle Weise, um das Schicksal in Schach zu halten – den Todes ihres Vaters. Der Film gewann den U.S. Documentary Special Jury Award for Innovation in Non-fiction Storytelling beim Sundance Film Festival, den Critics’ Choice Award Beste Filmemacherin und Bester Dokumentarfilm und gelangte in die engere Auswahl für den Oscar. 

Über ihre eigenen Filme hinaus ist Kirsten Johnson in den USA eine gefragte Kamerafrau. Sie hat an über 60 Filmen mitgewirkt, darunter Derrida (von Kirby Dick, 2002 – Portrait des französischen Philosophen), Fahrenheit 9/11 (von Michael Moore, 2004 – Palme d’or bei den Filmfestspielen von Cannes) und Pray the Devil Back to Hell (von Gini Reticker, 2008 – Preis Bester Dokumentarfilm bei den Filmfestspielen von Tribeca). Ihre fruchtbare Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Laura Poitras lässt sie u. a. bei The Oath (2010 – über den Fahrer von Osama bin Laden, Auszeichnung Beste Kamera beim Sundance Film Festival) und Citizenfour (2014, über Edward Snowden und seine Enthüllungen über die NSA, Oscar in der Kategorie Dokumentarfilm) Kamera führen.

Die visuelle Identität der 53. Ausgabe steht im Zeichen dieser Hommage.

Selektive Filmografie

2020 Dick Johnson is Dead (Director, DOP)
2018 A Thousand Thoughts, Sam Green (DOP)
2016 Cameraperson (Director, DOP)
2016 Trapped, Dawn Porter (DOP)
2016 Risk, Laura Poitras (DOP)
2015 The Above, (Director, DOP)
2014 1971, Johanna Hamilton (DOP)
2014 Citizenfour, Laura Poitras (DOP)
2012 Here One Day, Kathy Leichter (DOP)
2012 The Invisible War, Kirby Dick (DOP)
2012 The Program, Laura Poitras (DOP)
2012 Virgin Tales, Mirjam van Arx (DOP)
2010 The Oath, Laura Poitras (DOP)
2007 Election Day, Katy Chevigny (DOP)
2007 Captain Mike Across America, Michael Moore (DOP)
2006 This Film Is Not Yet Rated, Kirby Dick (DOP)
2004 Fahrenheit 9/11, Michael Moore (Cameraperson)
2004 Deadline (Director, DOP)
2002 Derrida, Kirby Dick (DOP)
2001 Le profit et rien d’autre ! ou réflexions abusives sur la lutte des classes, Raoul Peck (DOP)
1999 Innocent Until Proven Guilty (Director)
1995 Bintou in Paris 
1994 Il faut que je l’aime, Sebastien Lifschitz (DOP)