Visions du Réel freut sich, die marokkanische Künstlerin Meriem Bennani angesichts der Schweizer Premiere ihres in Co-Regie mit Orian Barki entstandenen Films Bouchra in den Fokus zu rücken. Am 24. April wird die Künstlerin ihre Arbeit in einem öffentlichen Gespräch mit dem Künstler und Filmemacher Valentin Noujaïm vorstellen. Parallel dazu werden ihre Filme und Videos gezeigt werden.
Die Bildhauerin und Videokünstlerin Meriem Bennani ist für ihre Kunstinstallationen und hybriden Projekte bekannt, die humorvoll Verweise auf die globalisierte Popkultur mit der Darstellung der Geschichte und der Kultur des Maghreb verbinden. Die marokkanische Künstlerin ist eine der Schlüsselfiguren ihrer Generation und hat zahlreiche Ausstellungen an namhaften Orten vorzuweisen, wie dem MoMA PS1, dem Whitney Museum of American Art, der Fondation Louis Vuitton oder, vor kurzem erst, der Fondazione Prada. Ihre so originellen wie einzigartigen Filme brechen die linearen Erzählschemata auf und inszenieren ihre Protagonist*innen in neuen Vorstellungswelten.
- Donnerstag 23 April – 20:30 – 2 Lizards, Capitole Fellini – In Anwesenheit der Filmemacherin
- Freitag 24 April – 17:00 – A Conversation with Meriem Bennani, Usine à Gaz 1
- Freitag 24 April – 20:30 – Bouchra, Grand Salle – In Anwesenheit der Filmemacherin
Nachdem sie sich durch ihre Skulpturen und immersiven Installationen ausgezeichnet hat, nutzt Meriem Bennani das Medium Video, um mehrere Werke zu kreieren, die sich mit den Problemen des Exils, der Migration und des Gemeinschaftssinns befassen. In ihrem filmischen Schaffen wirft sie einen Blick auf unsere moderne Gesellschaft und ihre komplexen Identitäten, auf die mit der Genderfrage verbundenen Herausforderungen und die Omnipräsenz der digitalen Technologien. Dabei greift Bennani auf Vervielfältigung und sogar das Konzept des Remixes zurück und verbindet Humor mit Kritik, um die politische Kraft des Zusammenlebens zu untersuchen und die Machtverhältnisse in unserer hypervernetzten Gesellschaften zu verdeutlichen. Die von der Popkultur beeinflussten Filme Bennanis wechseln mühelos zwischen Musikclip, Animation, Found Footage und Realaufnahmen hin und her, um die vorherrschenden Erzählungen zu unterlaufen und für neue, oft idiosynkratische Erzählformen voller Absurdität zu öffnen
Während des Lockdowns 2020 tat sich Meriem Bennani mit dem Filmemacher Orian Barki zusammen, um 2 Lizards zu kreieren, eine achtteilige Miniserie, in der zwei vermenschlichte Eidechsen durch ein abgeriegeltes New York streunen. Um die Atmosphäre des Lockdowns – von der allgemeinenApathie über die diffusen Ängste bis hin zu den Solidaritätskundgebungen – bestmöglich einzufangen, bedient sich diese auf Instagram verbreitete Fabel einer vielfältigen Form, die 3D-Animation mit Realaufnahmen vermischt. In der 2018 begonnenen und 2022 fertiggestellten Trilogie Life on the Caps: Trilogy in Single Channel begegnen wir dem CGI-Krokodil Fiona, das auf den CAPS lebt, einer fiktiven Insel mitten im Atlantik, auf der Flugreisen durch Teleportation ersetzt wurden. Unter Einsatz von Animationstechnik und Realaufnahmen erschafft Meriem Bennani eine dystopische Welt, in der der Staat Migrant*innen festsetzt, die durch illegale Teleportation der Welt der CAPS zu entfliehen versuchen, und setzt dem in den Medien vorherrschenden Elendsdiskurs eine andere Darstellung von Immigration entgegen.
2025 dreht Meriem Bennani zusammen mit Orian Barki ihren ersten Langfilm, dessen Original-Soundtrack der Künstler Flavien Berger komponiert hat. Die beiden Filmemacher bleiben sich treu und vermengen in ihrem Film 3D-Animation, Anthropomorphismus und dokumentarisches Material zu einer bunten, surrealistischen Welt, die an ein Videospiel erinnert. Wir begleiten darin Bouchra, eine Filme machende marokkanische Koyotin, die in New York lebt und der Frage nachgeht, wie sich ihre Homosexualität auf ihre Mutter Aicha auswirkt, eine in Casablanca lebende Kardiologin. Mit diesem zwischen Autobiografie und Spielfilm schwankenden hybriden Werk erforschen die Filmemacher*innen mit Zartgefühl queere Kulturen und die Komplexität von Mutter/Tochter-Beziehungen.
Neben ihrer filmischen Tätigkeit zeichnet Meriem Bennani auch für mehrere Kunstinstallationen verantwortlich, die wie ihr jüngstes Werk Sole Crushing rasch die Aufmerksamkeit von Publikum und Kritik auf sich zogen. Die von 2024 bis 2025 im Rahmen der Ausstellung For my Best Family in der Fondazione Prada präsentierte Installation versammelt zweihundert Paar Flip-Flops und Badelatschen, die ein Musikstück auf halbem Wege zwischen Symphonie und Volksaufstand aufführen, und geht dabei Problemen des Zusammenlebens und der Frage nach dem Platz des Einzelnen in der Gemeinschaft auf den Grund.
Meriem Bennani wurde 1988 in Rabat, Marokko geboren. Heute lebt und arbeitet sie in New York. Sie hat einen Bachelor of Fine Arts an der Cooper Union in New York und einen Master an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris.
Ihre Arbeit war Gegenstand zahlreicher Einzelausstellungen und wurde nicht zuletzt am Whitney Museum, dem MoMA PS1, dem Guggenheim Museum, New York, der Fondation Louis Vuitton in Paris, dem Nottingham Contemporary, der Renaissance Society in Chicago und der Kamel Lazaar Foundation in Tunis präsentiert.
Werke von Meriem Bennani finden sich in den Sammlungen der Lafayette Anticipations, des Guggenheim Museums, New York, des Museum of Modern Art, New York, des Whitney Museum of American Art, New York, der Fondation Kadist, Paris und des Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris.
