Thomas Haley
Frankreich, 32 min
Weltpremiere

Manchmal träumt Julian im Familiendomizil davon, wie er Bin Laden mit einem Buttermesser in den Hals sticht. Jedes Jahr reist der pausbäckige Mann von seinem Heimatstaat Florida zum Memorial am Ground Zero. Dieses Ritual ist zu seinem Daseinszweck geworden. Er hat gar eine epische Ode zu Ehren der amerikanischen Nation und ihrer Flagge komponiert, an der er wahlweise zu hängen scheint wie an der mütterlichen Brust oder die er gleich einem Schwert emporschwingt: Das Schwert, das sich in den Himmel über New York erheben wird, sobald der Bau des stolzen, vierzigstöckigen Hochhauses abgeschlossen ist. Der in Oregon aufgewachsene Thomas Haley kennt es gut, dieses tiefe Amerika, das er aus nächster Nähe filmt. Anhand dieser häufig im Close-up erfassten Gesichter und Körper gelingt dem Filmemacher die Wiedergabe der Identitätskrise des heutigen Amerikas. Wo das den Film American Dreamer eröffnende, inszenierte Schauspiel der kollektiven und multirassischen Anamnese das Ende der Unschuld darstellt, ist die ebenso bewegende wie monströse Figur des Julian die Verkörperung einer der mächtigen Triebkräfte des ganz normalen Patriotismus, des störrischen und naiven Glaubens eines «kleinen Weissen», der dem American Dream nicht entsagt hat.

Trailer

Durée
32 min
Année
2013
Pays
Frankreich
Sektion
Compétition Internationale Courts Métrages
Première
Weltpremiere
Sprache
Englisch
Untertitel
Französisch
Produktion
Adriana Ferrarese

Compétition Internationale Courts Métrages

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