Fazlamesai

Gürcan Keltek
Türkei, 20 min

Istanbul heute. Die Stadt ist zu einer riesigen Maschinerie geworden, die Menschen auseinanderreisst. Durch ihre Strassen hallen die Stimmen junger Arbeiter − Männer und Frauen.  Die raue Realität einer wirtschaftlich unsicheren Zeit ist in jedem Restbestandteil der türkischen Klassenstruktur zu spüren. Ein kurdisches Mädchen lehnt sich gegen Vorschriften und Tradition ihrer Familie auf. Das letzte junge Mitglied eines geschrumpften Clans erinnert sich wehmütig an die Vergangenheit. Ein Kind muss seine Familie ernähren, weil sonst niemand Geld verdient. Ein junger Arbeitsloser verkauft sich vor der Blauen Moschee an Touristen. Sein Körper ist das letzte Werkzeug, das ihm geblieben ist. Hin- und hergerissen zwischen West und Ost wird Istanbul zum Symbol einer Welt, für die es kein Zurück, aber auch (noch…) kein Vorwärts gibt. Mit viel Gespür für optische Reize porträtiert Gürcan Keltek die muslimische Arbeiterklasse als kulturelle und wirtschaftliche Randgruppe. Mit seinen kraftvollen, grobkörnigen Schwarz-Weiss-Aufnahmen ist Fazlamesai eine bewegende Betrachtung der Eigenart der Menschen, auch in besonders bitteren Zeiten an ihrem Leben und ihren Hoffnungen festzuhalten.

Giona A. Nazzaro

Übersetzung BMP Translations

Trailer

Durée
20 min
Année
2011
Pays
Türkei
Sektion
Compétition Internationale Courts Métrages
Sprachen
Kurdisch, Türkisch
Untertitelen
Englisch
Produktion
İpek Sarp

Compétition Internationale Courts Métrages

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