Die oscarprämierte Regisseurin Laura Poitras wird das Programm VdR–Industry eröffnen

Visions du Réel hat die Ehre, die US-amerikanische Regisseurin und Journalistin Laura Poitras zur Eröffnung der 24. Ausgabe von VdR–Industry, der den Branchenmitgliedern vorbehaltenen Sektion des Festivals, als Spezialgästin ankündigen zu dürfen.

Bekannt wurde Laura Poitras vor allem als Autorin einer Post-9/11-Trilogie, in deren letztem Teil, dem oscarprämierten Citizenfour, sie die Anfänge der Snowden-Affäre nachzeichnet. Laura Poitras‘ in zwei Jahrzehnten entstandenes filmisches Werk zeichnet sich durch ein ausgeprägtes politisches Engagement aus und eine kritische Analyse der Unterdrückungs- und Straffreiheitssysteme der US-Regierung sowie der Missbräuche im Rahmen des sogenannten „Kriegs gegen den Terror“. Ihre kraftvollen Filme schreiben eine Echtzeit-Chronik der Umbrüche in Gesellschaften. Am Sonntag, den 19. April wird die bei den Oscars und an der Mostra in Venedig ausgezeichnete Filmemacherin in Zusammenarbeit mit SRG SSR eine Masterclass geben, die den Beginn der VdR–Industry-Tage einläuten wird. Ihr neuester Film Cover-Up wird ebenfalls im Rahmen der offiziellen Auswahl gezeigt.

In 2006, Laura Poitras realisiert ihren ersten Langfilm My Country, My Country, der die Widersprüche und die verheerenden Folgen der Besatzung des Irak durch die US-Amerikaner beleuchtet. Aufgrund dieses Films wird sie vom US-Ministerium für Innere Sicherheit überwacht. In ihrem nächsten Film The Oath befasst sich Laura Poitras mit dem Gefängnis in Guantánamo und dem sogenanten „Krieg gegen den Terrorismus“, indem sie die Schattenzonen und die humanitären Folgen dieser Sicherheitspolitik einer akribischen Untersuchung unterzieht. Danach dreht sie einige Kurzfilme und recherchiert ausführlich zum Thema Massenüberwachung und Whistleblower. 2015 gewinnt sie mit Citizenfour, in dem sie von den ersten Enthüllungen von Edward Snowden berichtet, den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Der zwischen atemberaubendem Kammerspiel und paranoidem Thriller changierende Film lässt uns die acht Tage  miterleben, die Edward Snowden in einem Hotel in Hong Kong verbrachte, bevor er zum Geflüchteten wurde. Im Anschluss daran präsentiert Poitras auf dem Festival von Cannes ihren Film Risk, der sich mit Julian Assange, dem Begründer von WikiLeaks beschäftigt.

Ein Teil von Laura Poitras Filmografie ist dem Genre des Porträtfilms gewidmet, wie zum Beispiel All the Beauty and the Bloodshed, für den sie den Goldenen Löwen des Festivals von Venedig erhält. Darin begleitet sie den Kampf der Fotografin Nan Goldin gegen die Familie Sackler, Eigentümerin der Arzneimittelfirma Purdue Pharma, deren wichtigstes Medikament OxyContin die Opioidoverdosekrise in den Vereinigten Staaten auslöste. Der Film verbindet ein Porträt aus Archivbildern der New Yorker Fotografin mit Handkamera-Aufnahmen von ihren Bürgerrechtsaktionen. Cover Up, Poitras bislang letzter Film, zeichnet das Porträt des amerikanischen Journalisten Seymour Hersh, eines bedeutenden Vertreters des investigativen Journalismus. Darin verwebt sie unermüdlich Interviews mit einer dichten Anzahl an privaten und öffentlich Archivaufnahmen und führt uns die grossen Enthüllungen dieses Journalisten vor Augen, vom Massaker von Mỹ Lai während des Vietnamkriegs, das dem Watergate-Skandal voranging, bis hin zur Aufdeckung der Folterungen in Abu Ghraib während des Irak-Kriegs. Der Film wurde im Rahmen des Festivals von Venedig gezeigt.

Laura Poitras wird im Rahmen des Programms von VdR–Industry anwesend sein, das von Sonntag, dem 19. bis Mittwoch, dem 22. April, in der Mitte des Festivals stattfinden wird. Diese Sektion wartet mit einer Reihe von Veranstaltungen auf, wie der Präsentation von Projekten (Pitching, Works in progress), Konferenzen und Gelegenheiten zum Netzwerken. Die vollständigen Details des Programms werden am 25. März 2026 bekanntgegeben werden. Das Antragsformular für Akkreditierungen ist hier erhältlich.

Laura Poitras wurde mit einem Oscar und dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Ihr neuester Film, Cover-Up, feierte auf den Filmfestspielen von Venedig Premiere und wurde für den BAFTA-Award nominiert.

Ihr Film All the Beauty and the Bloodshed lief als Vorpremiere auf dem Filmfestival von Venedig, wo er den Goldenen Löwen gewann und so zum zweiten Non-Fiction-Werk in der Geschichte des Festivals wurde, das diese Auszeichnung erhielt. Ausserdem wurde der Film für einen Oscar nominiert, gewann einen Independent Spirit Award und wurde vom New York Film Critics Circle, der Los Angeles Film Critics Association und der National Society of Film Critics zum besten Dokumentarfilm des Jahres gekürt.

Citizenfour erhielt den Oscar für den besten Dokumentarfilm sowie zahlreiche weitere Auszeichnungen bei der BAFTA, der Directors Guild of America, den Independent Spirit Awards, den Gotham Awards, dem Deutschen Filmpreis und den Cinema Eye Honors. Ihre journalistischen Arbeiten, die die Massenüberwachungsprogramme der amerikanischen National Security Agency (NSA) anprangerten, brachten ihr den Pulitzerpreis für Dienst an der Öffentlichkeit ein sowie den George Polk-Award für ihre Reportagen über die Nationale Sicherheit.

Ihr oscarnominierter Film My Country, My Country bildet den ersten Teil ihrer Post-9/11-Trilogie, deren bei den Emmy Awards nominierter zweiter Teil The Oath über das Gefängnis von Guantanamo Bay und den  von den Vereinigten Staaten geführten „Krieg gegen den Terrorismus“ berichtet.

Das Whitney Museum of American Art hat ihr ihre erste Einzelausstellung mit dem Titel Astro Noise gewidmet. Die von Jay Sanders kuratierte Ausstellung präsentierte eine Reihe immersiver Installationen, darunter Anarchist, O’Say Can You See, Bed Down Location, Disposition Matrix, November 20, 2004 und Last Seen. Des Weiteren entwarf sie künstlerische Installationen für die Manifesta und die Galerie n.b.k. in Berlin. Zu ihren übrigen Filmen zählen Risk, Flag Wars, Project X, Death of a Prisoner, The Program, Triple-Chaser und Terror Contagion.

2006 wurde sie von der amerikanischen Regierung auf eine geheime Überwachungsliste gesetzt und wiederholt an der amerikanischen Grenze festgesetzt und verhört. 2015 strengte sie erfolgreich einen Prozess gegen die Regierung an, um die Herausgabe ihrer geheimen FBI-Akten zu erwirken. Die weitgehend geschwärzten Dokumente belegen physische und digitale Überwachung, die Entsendung von FBI-Agenten zu ihren Filmvorführungen, eine gerichtliche Anordnung zur Vorlage ihrer privaten Kommunikation und eine geheime Ermittlung der Spionageabwehr.

Laura Poitras wurde mit dem Peabody Award ausgezeichnet, sie erhielt ein Guggenheim-Stipendium und Fördermittel des Sundance Institute, der Creative Capital, des Vital Projects Fund, von Cinereach und anderen Institutionen. Sie ist Mitbegründerin der Freedom of the Press Foundation, Mitglied des Beirats der Recherchegruppe Forensic Architecture und der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Sie ist Gründungsmitglied von The Intercept, First Look Media und Field of Vision. Ihre Produktionsfirma Praxis Films hat ihren Sitz in New York und in Berlin.